Kirchen nach 1945 im Vergleich
Erfahrungen einer kirchenpädagogischen Exkursion mit Konfirmandinnen und Konfirmanden in Wolfsburg
Volker Dobers

Von Lüchow nach Wolfsburg

Im Rahmen ihrer Konfirmandenzeit wollte ich Lüchower Konfirmandinnen und Konfirmanden ermöglichen, »moderne« evangelische Kirchen in erreichbarer Nähe kennen zu lernen.

Wolfsburger Kirchen stehen exemplarisch für das Spektrum des evangelischen Kirchenbaus nach 1945. Die Verbindung von Lüchow nach Wolfburg war durch das Wirken der Architekten Langmaack gegeben (1). Von der ersten zu einer der letzten Bauaufgaben der Langmaacks in Niedersachsen führte die Spur. Das jüngste Kirchenprojekt dieses Hamburger Architekturbüros im Bereich der Hannoverschen Landeskirche stellte die Renovierung und Umgestaltung der St.-Johannis-Kirche in Lüchow unter Federführung von Dieter Langmaack dar. Der erste evangelische Kirchenneubau überhaupt nach dem Kriege in der Hannoverschen Landeskirche – die Christuskirche in Wolfsburg – entstand nach Plänen von Gerhard Langmaack. Eine interessante Facette bedeutete darüber hinaus, dass mit der Pauluskirche eine weitere Kirche aus dem Büro Langmaack in Wolfsburg zu finden ist (2).

Zusätzliche Beweggründe traten hinzu: Die beiden einzigen Kirchen des finnischen Architekten Alvar Aalto in Deutschland befinden sich in Wolfburg (3). Schließlich hat der Bildhauer Stephan Balkenhol im jüngsten Kirchenbau Wolfsburgs den Altarraum gestaltet.

Die Voraussetzungen für einen Konfirmandentag in der 80km entfernten »Volkswagenstadt« schienen günstig: ein freier Sonnabend stand zur Verfügung, eine ausnahmsweise überschaubare Konfirmandengruppe mit 9 Konfirmandinnen und Konfirmanden – von denen am Ende dann 7 teilnahmen – bot sich für das Experiment an, die erwähnte inhaltliche Spur, die von Lüchow nach Wolfsburg führte, konnte so etwas wie eine Brücke sein, die vergleichsweise geringe Entfernung für eine Tages-Exkursion sollte sich als ideal erweisen, signifikante Kirchenbauten namhafter Architekten in unmittelbarer Nähe zueinander versprachen Qualität ..., es waren verschiedene Faktoren, die stimulierend wirkten. Ich selber hatte große Lust, einmal auszuprobieren, ob der Funke der eigenen Begeisterung für die eindrücklichen Zeugnisse des evangelischen Kirchenbaus nach 1945 auch auf die mir anvertrauten Konfirmandinnen und Konfirmanden überspringen würde. Vielleicht könnte die  »Heimatkirche« im Spiegel der Erfahrungen der Exkursion mit neuen Augen gesehen werden und auch der Gottesdienst in dieser Kirche bewusster wahrgenommen, erlebt und mitgefeiert werden?

Ziele der Reise

• Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen fünf verschiedene Kirchenräume auf sich wirken lassen. Dabei ist der Raumeindruck im Vergleich von zentraler Bedeutung, nicht eine detaillierte Erschließung jeder der 5 Kirchen (4).

• Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen anfangs »rein gefühlsmäßig« und intuitiv Charakter, Ausstrahlung, Stimmungswert und Kraftfelder der jeweiligen Kirche erfassen.

• Die Beteiligten sollen spüren, dass es so etwas gibt wie ein tiefes Zutrauen zur ausdrucksstarken »Sprache« der jeweiligen Kirche. Jede Kirche erzählt von sich, ist in Form und Anlage Hinweis auf eine Seite oder Wesensart Gottes.

• Den Konfirmandinnen und Konfirmanden soll in der Begegnung mit fünf unterschiedlichen Kirchen ein Freiraum für eigene Eindrücke ermöglicht werden.
Diese Eindrücke sollen als solche respektiert und geschützt werden ohne unmittelbare Notwendigkeit einer anschließenden Versprachlichung, d.h. ohne
drohende Instrumentalisierung der Eindrücke (»Verwendungszweck«). Jede Konfirmandin und jeder Konfirmand hat ein eigenes »Geheimnis« mit jeder der fünf Kirchen, ohne Angst vor »zeigefingeriger Pädagogisierung« haben zu müssen.

                   • Einzelne liturgische Elemente sollen Teil der Begegnung mit den Kirchen sein.

Der Ausgangspunkt: St.-Johannis-Kirche Lüchow (Raum-Umgestaltung 1993) Architekt Dieter Langmaack 
in Verbindung mit Bildhauer Karl Imfeld
      

   Die meisten meiner Konfirmandinnen und Konfirmanden kannten lediglich die ihnen vertraute St.-Johannis-Kirche, ein 1298 erstmals erwähntes Gotteshaus, das 1866 durch Conrad-Wilhelm Hase im neugotischen Stil einschneidend verändert worden ist. Die jüngste Neuordnung des Innenraums, mit der Dieter Langmaack beauftragt worden war, brachte ein neues liturgisches Zentrum mit den durch den Schweizer Bildhauer Karl Imfeld geschaffenen Stücken Taufbeckenschale, Osterkreuz, Ambo und »Tisch des Herrn« (5). Das Zusammenspiel der verschiedenen Epochen, die Erfahrung von alt und neu im Dialog, von Tradition und neuerer Gegenwart, konnte als motivierende Voraussetzung genutzt werden, um sich von Lüchow aus nach Wolfsburg auf den Weg zu machen.

Im Vorfeld der geplanten Exkursion hatten sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden im Rahmen einer Unterrichtsstunde im Unterrichtsraum zu acht Fragen zum Bereich Kirchenbau zu äußern, die nach und nach diktiert und dann jeweils unmittelbar darauf schriftlich beantwortet wurden (6). Frappierend zu beobachten war, dass bei einer der Fragestellungen, in der es um eine Ideenskizze für einen Kirchenentwurf ging, nahezu alle Beteiligten fraglos Formelemente der vertrauten »Heimatkirche« aufnahmen. Das lässt erahnen, wie prägend sich ein Kirchenraum in der Biografie von Menschen erweisen kann!

Im Anschluss an die Beantwortung der Fragen und die Präsentation der entstandenen Entwürfe wurde ein Arbeitsblatt ausgegeben, das neben dem Grundriss der den Konfirmandinnen und Konfirmanden vertrauten Kirche die Grundrisse der fünf ausgewählten Wolfsburger Kirchen zeigte (7). Wir haben die Grundrissformen spontan ohne eine anschließende Auswertung verglichen (8), haben den Namen der Kirche jeweils hinzugesetzt und am Beispiel der Pauluskirche wichtige Prinzipalstücke und die Orgel zuzuordnen versucht und entsprechend beschriftet

Das Arbeitsblatt sollte den Blick weiten und motivierend wirken.

Christuskirche (1951) Architekt Gerhard Langmaack

  Wir gehen von Westen her auf die Kirche zu. Erste Eindrücke stellen sich ein: Das Bruchsteinmauerwerk fällt ins Auge, der Giebel über dem Eingang auf der Schmalseite der Kirche wird durch eine Christusfigur in der Haltung des Auferstandenen bestimmt. Mit ausgebreiteten Armen empfängt dieser Christus uns als Ankommende. Die Haltung der Arme nimmt die Neigung des Kirchendachs auf. Die Grundform der Kirche wird in Umrissen erkennbar. Der nebenstehende, schlanke Kirchturm weist erhaben nach oben. Wir umgehen die Christuskirche, bemerken die vergleichsweise kleinen Fenster im oberen Drittel des Baukörpers. Im Südosten verhindert die angrenzende Bebauung des Kindergartens (1975/76) unseren weiteren Umgang. Wir kehren um. Äußere Proportionen, Materialwirkung, »Charakter« des Gebäudes prägen sich ein. Wir steigen die Stufen zum Eingang hinauf. Wir entdecken den mit einer Christusfigur gestalteten Türgriff der Kirche (9).

Ich versuche, die »Schwellensituation« vom Außenraum hin zum Innenraum mit der Frage aufzunehmen: »Was erwartet uns jetzt wohl? Was meint ihr?« Wir verabreden, zunächst im Vorraum innezuhalten. Angesichts der vergleichsweise kleinen Fenster der Längsseiten empfängt uns im Innern ein erstaunlich helles Licht, das vom Feierraum der Kirche schon in unseren durch einen Glaseinbau abgetrennten Vorraum fällt.

  Unsere kleine Gruppe formiert sich, um bewusst in die Kirche einzuziehen. Wir zünden eine Kerze an und wagen eine kleine Prozession mit einem Element der Osternachtliturgie: Mit dem im Vorfeld vertraut gemachten Wechselgesang »Christus, Licht der Welt! Gott sei ewig Dank!« (10) ziehen wir in die Kirche ein. Es wird eine langsam schreitende Bewegung auf das zentrale, große farbige Glasfenster am anderen Ende der Kirche zu. Was für ein Weg! Und was für ein Klang unseres »Chores« in dieser Kirche! Am Taufbecken, in der »Vierung«, endet unser kleiner Wandelgang. Wie weit erscheint der Altar immer noch entfernt! Um einige Stufen erhöht, steht er wie auf einer Bühne da. Vom großen Ostfenster fällt Licht auf den Altar.

  Kirchengrundriss nach dem Maß des Menschen (17), das Schema einer einchörigen romanischen Basilika (18) und der Längsschnitt durch eine romanische Basilika mit Vierungsturm (19). Die Konfirmandinnen und Konfirmanden erkennen Zusammenhänge und können die Anordnung der Fenster im oberen Teil der Seitenschiffe mit den Licht- oder Obergaden einer romanischen Basilika in Verbindung bringen.

  Uns begegnet vom Raummuster her ein längsgerichteter Raum, eine klar strukturierte Hallenkirche mit deutlichen Anklängen an die Basilika. 12 achteckige schlanke »Pilzkopf«-Säulen tragen die ebene Decke und teilen die Kirche in ein großes Mittelschiff und zwei schlanke Seitenschiffe (11). Im »Querhaus«, das aus der Hallenkirche eine Basilika werden lässt, finden sich auf der einen Seite die Orgel und Raum für einen Chor, auf der anderen Seite Platz für weitere Mitwirkende im Gottesdienst.

  Die Christuskirche: eine Prozessionskirche, ein Richtungsraum, ein Weg ins Licht, ein Weg auf den zu, dessen Namen die Kirche trägt (12). Es bietet sich an, nun die Kerze auf den Altartisch zu stellen und angesichts des bestimmenden farbigen Fensters (13) die in den Bibeln der Konfirmandinnen und Konfirmanden fettgedruckten Passagen aus Offb.1, 8.17–18 zu lesen.

Um den Teilnehmenden einen Vergleich des Kubus’ der Christuskirche mit historischen Grundformen zu ermöglichen, habe ich ihnen im DIN A3 Querformat auf der linken Hälfte des Blattes untereinander das Schema einer christlichen Wegkirche (14), den Grundriss einer romanischen Basilika mit Erläuterungen (15) sowie den Grundriss der Christuskirche abgebildet (16). Auf der rechten Hälfte des Blattes finden sich untereinander ein

Nach einer Phase der selbstbestimmten Erkundung des Raumes (»Geh hin, wohin es Dich zieht!«) wird das Arbeitsblatt »Kirchenbau-Konzeptionen im Vergleich« ausgegeben, dem eine Schlüsselfunktion im Verlauf der Exkursion zukommt (20). Mit Hilfe dieses Arbeitsblattes werden die Raum-Eindrücke von 4 der 5 Kirchen schriftlich festgehalten und kommunizierbar.

Pauluskirche (1960) Architekten Gerhard und Dieter Langmaack

  Knapp 10 Jahre liegen zwischen den Planungen für die Christus- und die Pauluskirche aus demselben Architekturbüro. Wieder begegnen die Fenster des Kirchenkorpus’ vor allem im oberen Teil der Längsseiten, wappenähnlich in der Formgebung. Erneut zeigt sich ein imposanter Kirchturm. Doch während sich bei der Christuskirche von »Bühnenarchitektur« sprechen ließe, zeigt sich die Pauluskirche als »Bewegungsarchitektur« (21). Die Außenwände der jüngeren Kirche initiieren Schwingung (22). Wir versuchen, die Formensprache der Kirche körperlich umzusetzen. Doch die Konfirmandinnen und Konfirmanden sind gehemmt. Eine schwingende Bewegung mit ihrem eigenen Körper aufzugreifen und zum Ausdruck zu bringen, das kommt ihnen dann doch albern vor. Wir umrunden die Kirche, was hier, anders als bei Wolfsburg-Christus, ohne weiteres möglich ist.

  Weiche Formen begegnen uns im Innern: eine geschwungene Empore, ein »Taufrund«, auch Decke und Altarwand sind »bewegt«. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben die Aufgabe, gemeinsam mit Hilfe eines langen Seils den Grundriss der Kirche nachzuempfinden und »auszulegen«. In relativ kurzer Zeit lösen sie diese Aufgabe, übersehen aber, dass die Altarwand ebenfalls und in diesem Fall nach innen einschwingt. Nach der »vorliegenden« Form gefragt, fällt bald das Stichwort »Herz«, das über Jahrzehnte hindurch eine durchgängige Metapher in der Formensprache der Langmaacks bleiben sollte (23).

  Die Gemeinde ist »nah dran« in dieser Kirche: Nah dran aneinander und am Geschehen um den Altar herum. Licht fällt auf die Taufe und die Gemeinde. Die Gemeinde steht wie die Prinzipalstücke »im Licht«. Nicht nur der Liturg handelt am Altar, die Gemeinde selbst »spielt mit«! Für diese Kirche steht die Gemeinde als Bau-Leitbild.

  Hier kann einem »warm ums Herz« werden. Eine sinnen-hafte, sinnen-volle Architektur begegnet (24). Das ursprüngliche Bau-Leitbild spiegelt sich als Schwingung im eigenen Erleben. Kontraproduktiv wirkt allein die massive, später hinzugekommene gut 40m² große Textilarbeit mit einem Sensenmotiv aus der Offenbarung des Johannes (25). Manche der Konfirmandinnen und Konfirmanden irritiert die »Botschaft« der Arbeit, andere übergehen dieses den Raum bestimmende Element (26).

  Ein Gespräch über die Raumwirkung anhand des am Ende ausgefüllten Arbeitsblattes »Kirchenbaukonzeptionen im Vergleich« macht deutlich, wie die klare Sprache einer Architektur durch ein nachträglich hinzugekommenes Element verunklart wird und Irritationen auslöst. Wo ursprünglich Wort, Sakrament, Musik und Gemeinde eng beieinander waren, bringt das »Altarbild« eine Art längsachsialer Ausrichtung. Der Christus mitten unter uns – das gegenwärtige Geschehen – wird zum wiederkommenden Herrn – zukünftiges Geschehen –, zum apokalyptischen Sensenmann.

  Allerdings: Im Vorraum der Kirche finden sich je eine Glasarbeit mit der Gestalt des Mose die 10 Gebote haltend und Johannes der Täufer (27), was die Frage offen hält, ob nicht doch auch ein Wegemotiv (einst/Verheißungen – gegenwärtig im Mahl – zukünftig wiederkommender Herr) von vornherein intendiert war (28).

 

Kreuzkirche (1957) Architekt Gustav Gsaenger

  Nach den beiden »Langmaack-Kirchen« und einer Mittagspause in der Stadt suchen wir die Kreuzkirche auf. Wie eine Burganlage wirkt das Ensemble von Kirche, Gemeindehaus und Pfarrwohnung. Das Dach der Kirche ist tief heruntergezogen und erinnert mit seinen runden Ausläufern von der Formgebung her an reetgedeckte Häuser. Uns empfängt der dortige Pastor: Ein neues Gesicht, eine andere Stimme, jemand, der »leibhaftig« für die Kreuzkirche steht. Nachdem im Innenraum Zeit ist, Gedanken und Empfindungen zu notieren (29), erleben wir miteinander die Akustik durch ein gemeinsam gesungenes Lied. Die Kirche zeigt eine verwirrende Vielfalt in den Materialien, der Raumführung und den zahlreichen »Sehangeboten«. Farbige Glasfenster lassen spärliches Licht in den Raum. Das großflächige Altarmosaik (30) zeigt das »Himmlische Jerusalem«. Im Gespräch stellen wir bei aller Unterschiedlichkeit der Räume eine Linie der Altarwand-Motive von der Christus- über die Paulus- hin zur Kreuzkirche fest: Alle Arbeiten nehmen auf Bibelstellen aus dem letzten Buch der Bibel Bezug, wählen im einen Fall Glas, im anderen Textil und im dritten den Mosaikstein als Material. Immer wird erzählt, dass noch etwas aussteht, dass Gottes Reich noch nicht vollends aufgerichtet ist, dass wir Christus einst sehen werden, wie er ist (1.Jh.3, 2).

  Unser Gastgeber sagt: »In der Kirche findet ihr den Grundstein, der beim Bau der Kirche als erster gesetzt worden ist. Er verrät euch das Alter unserer Kreuzkirche.« Nach eingehender Suche entdecken die Jugendlichen nach und nach den Grundstein an der rückwärtigen Sockelseite des Altars: »1955« ist zu entziffern. Wir hören, dass die Kirche nach zweijähriger Bauzeit am Reformationstag 1957 eingeweiht worden ist.

  »Kirche als Bauwerk ist ummauerte Zufluchtstätte aus dem täglichen Einerlei menschlichen Daseins« (31), so hatte der Architekt 1951 im Rahmen eines Vortrags gesagt. Und hatte gemeint, sie sei »eine Stätte der Weihe und der Andacht und verlangt deshalb eine gewisse Raumstimmung« (32) und forderte eine »sakrale Wirkung« (33). Die Auswertung der Äußerungen der 7 Konfirmandinnen und Konfirmanden zeigt am Ende ein ambivalentes Bild: dunkel, gleichzeitig geborgen – das Stichwort »Gewölbe« fällt –, »ummauert«, aber auch eingeschlossen. Die Säulen des Raumes werden, anders als in der Christuskirche, teilweise als »störend« empfunden, da sie den Blick verstellten.

  Inwieweit bei der Planung der Kreuzkirche die »Liturgie als Bauherrin« (34) – anders als z.B. in der Christuskirche – eine Rolle gespielt hat, darüber gibt der Kirchenraum nicht eindeutig Aufschluss (35).

  Heilig-Geist-Kirche (1962) Architekt Alvar Aalto

  Wie bei den beiden ersten Kirchen, so wählen wir als Annäherung an die außen weiß geschlämmte Kirche einen »Umgang«. Von außen nach innen soll uns der Weg führen. Auch zu dieser Kirche gehört ein markanter Turm, der wie eine Stimmgabel in den Himmel ragt (36). Als sei die Kirche aus der Erde erwachsen, so erhebt sie sich und nimmt die Bewegung des topografischen Umfeldes des Klieversbergs auf, wird als Architekturskulptur (37) zu einem Teil der sie umgebenden Landschaft.

  Es ist für die Konfirmandinnen und Konfirmanden nicht ganz leicht, die Eingangstür der Kirche zu entdecken, so unscheinbar wie sie »daherkommt«. Im 3 x 4m kleinen Zugangsraum, in dem Gesangbücher und Gästebuch ihren Platz haben, sammeln wir uns, stellen uns einander je zu viert gegenüber und lesen, wie die Jugendlichen das zuhause als Teil des unterrichtlichen Eingangsrituals kennen, einen Psalm. Psalm 84 findet sich in den in unmittelbarer Nähe ausliegenden Gesangbüchern. Im »Vorhof« der Kirche sprechen wir den Text von den »Wohnungen Gottes«, von »Altären«, von der »Tür in Gottes Haus« und davon, dass Gott »Sonne und Schild« ist: ein bewusst im »Windfang-Eingangstunnel« der Kirche gewähltes Ritual, ein retardierendes Element »auf der Schwelle«, um nach den 3 vorangegangenen Kirchenbesuchen nicht blindlings in die nächste Kirche zu stürmen.  Gleichzeitig möchte ich angesichts der Annäherung an diese weitere, nunmehr vierte Kirche ein vertrautes spirituelles Element nutzen, um eine Resonanz von Psalmklang und Raumerfahrung zu ermöglichen.

  Wir behalten die Gesangbücher bei uns und treten in den eigentlichen Kirchenraum ein. Ein lichtdurchfluteter, weiter Raum tut sich auf. Was für ein Gegensatz zur beengten Eingangssituation oder auch zur zuvor aufgesuchten »schummrig« anmutenden Kreuzkirche! Der Hauptgang läuft weder auf den Altar noch auf die Kanzel zu. Wort und Sakrament erscheinen gleichwertig. Einzelne aus der Gruppe lesen nach einer ungelenkten Phase des Vertrautmachens mit dem Raum von verschiedenen Stellen aus eine Passage des erwähnten Psalms. »Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre«, so erklingt es auf Höhe der Bankreihen, vom Altar her, von der Kanzel, aus der Taufecke. Überall erleben wir eine gute Sicht- und Hörbarkeit der Beteiligten. Wir treffen uns an den Altarstufen und singen miteinander von dem Lied »Du höchstes Licht, du ewger Schein« zwei Strophen (EG 441, 1+3).

  Der klare, helle, fächerförmig sich weitende Kirchenraum zeigt sich antisentimental (38) und wirkt von der Lichtführung und vom ganzen »Auftritt« her nicht künstlich inszeniert. Profan und heilig sind nicht dualistisch wie noch in Gsaengers Kreuzkirche verstanden. In seinen Proportionen weist der Raum in Richtung Westen über sich hinaus in Welt und Schöpfung und zum Gesamtensemble Gemeindehaus, (Pfarr)-Wohnung und Kindergarten (39).

  Mit den Jugendlichen versuche ich, die Bewegung der Decke im Innern aufzunehmen und zu deuten. Wir vollziehen diese Bewegung körperlich nach – anders als zuvor bei Paulus geht dies hier –, entdecken, dass Aalto offensichtlich mit der Gebärde eines Segensgestus arbeitet, der Sammlung wie Sendung gleichermaßen »verkörpert« (40).

Am Ende ist Zeit für Eintragungen ins schon genannte Arbeitsblatt und ins Gästebuch der Kirche.

Bonhoeffer-Kirche (1995) Architekt Wilhelm Wacker, Glaskünstler Günter Grohs (1996), Bildhauer Stephan Balkenhol (1998)

  Zum Abschluss suchen wir die Bonhoeffer-Kirche als Teil eines von Hochhäusern umgebenen Kirchengemeindezentrums auf. Ein unscheinbarer Turm macht die Kirche als Kirche kenntlich. Auf dem Platz vor der Kirche thematisieren wir den Unterschied dieser Kirche zu den vorangegangenen in der Außenwirkung.

  Die schlanken Fenster (41) lassen dank ihrer zurückhaltenden Gestaltung einen ersten Blick in die Kirche zu. Im Innern fällt der Fußboden stetig in Richtung Taufe, Altartisch und Kanzelpult ab (42). Statt eines biblischen »Zitats« wie in den ersten Kirchen der Exkursion finden sich 7 Halbrelief-Figuren an der Altarwand, eine Arbeit des Bildhauers Stephan Balkenhol (43). Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sind verblüfft. Ob sie zu wissen meinten, was sie in einer Kirche erwartet? Aus einer Auswahl von 4 mehrfach abgedruckten Bibeltexten (44) ziehen sie verdeckt einen heraus. Anschließend sind die Jugendlichen eingeladen, sich gleichzeitig und vernehmbar sprechend mit dem jeweiligen Text im Raum zu ergehen. Am Ende werden Bezüge vom Bibeltext zur Bildhauerarbeit erkennbar. Miteinander sprechen wir von der Würde jedes einzelnen von Gott geschaffenen Menschen.

  Ein neuerliches Ausfüllen des Arbeitsblattes war ob der Fülle des Vorangegangenen in der Planung von vornherein nicht vorgesehen.

Zum Abschluss des Konfirmandentages in Wolfsburg nehmen wir uns außerhalb der Kirche Zeit, nennen einander im Rückblick unsere »Lieblingskirche« und erläutern dies kurz (45). Am Ende scheinen mir die erwähnten Ziele der Reise in der Begegnung mit den Kirchen eingelöst, vor allem als Anmutungen (46), (noch) nicht allerdings explizit als »Hinweis auf eine Seite oder Wesensart Gottes«. Als Spagat habe ich das Respektieren des je eigenen Eindrucks der jeweiligen Kirche ohne »Verbalisierungsdruck« auf der einen und die Chance eines gemeinsamen – nun eben auch verbalen – Austauschs auf der anderen Seite empfunden.

ANMERKUNGEN

1.      Olaf Bartels: Die Architekten Langmaack. Planen und Bauen in 75 Jahren. Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs, Hamburg 1998
2.      Sonst entsteht als Kirchenbau meines Wissen im Bereich der Hannoverschen Landeskirche allein in Poggenhagen (1964–1967) eine Kirche (Bonifatius) nach Plänen des   
  
      Langmaack-Büros.
3.      Holger Brülls: Alvar Aaltos Kirchen. Schriftenreihe der Stadtbild- und Denkmalpflege Wolfsburg Nr.3, Braunschweig 1999
4.      Eine detaillierte Erschließung wäre eine Projektwoche z.B. mit älteren Jugendlichen oder Schülerinnen und Schülern wert (etwa auch mit der Aufgabe der 
      Informationsbeschaffung zu Leben, Werk und Anliegen der beteiligten Architekten bzw. Künstlerinnen und Künstlern unter Einbeziehung der Archive der einzelnen 
      Gemeinden).
5.      Volker Dobers / Dieter Langmaack: Raum-Umgestaltung. Ein Fallbeispiel für das Gemeinde- und Gottesdienstverständnis. In: kunst und kirche 1/1994, S. 52–54
6.      Die Fragen greifen teilweise zurück auf Anregungen in Erika Grünewalds Artikel »Kirchenpädagogik in der „Kirche um die Ecke“« in: Kirchenpädagogik 2/2003, S. 6–16
          Wenn du die Augen schließt und an das Wort »Kirche« denkst, was erwartest du zu sehen?
          Du hast die Chance bekommen, als Architektin oder als Architekt eine Kirche zu entwerfen. Zeichne einen Entwurf (Grundriss) mit den nötigen Ausstattungsstücken auf 
           einem gesonderten Blatt Papier!
          Welches ist für dich der stärkste optische Orientierungspunkt in einer Kirche?
          Welche Sitzform entspricht deiner Vorstellung vom Gottesdienst? Beschreibe oder skizziere diese Sitzform!
           [Diese Frage wirkte für manche aufstörend: Sie begannen, ihre Grundrisszeichnung zu modifizieren.]
          Gibt es möglicherweise eine oder mehrere Farben, die du mit Kirche, Gemeinde, Gottesdienst verbindest und die dein Gefühl oder deine Stimmung dafür treffen?
          Setze den Satz fort: Ein Kirchenraum wirkt auf mich wie ...
          Welche sichtbaren Baumaterialien sollten deiner Meinung nach einen Gottesdienstraum bestimmen?
          Wenn du einen Gast durch unsere Lüchower St.-Johannis-Kirche zu führen hättest, der sie noch nie von innen gesehen hätte, worauf würdest du ihn hinweisen?
7.      Vgl. Zur Grundrissentwicklung grundsätzlich: Barbara Kahle: Deutsche Kirchenbaukunst des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 1990, S.87–136 und Andreas Schenk: Kirchenbau 
      als Teilnahme. Liturgische Reform und Grundrissentwicklung. In: kunst und kirche 4/98, S. 222–228
8.      St. Johannis: Rechteck mit Apsis-Rund; Christus: T-Form, Kreuzform; Paulus: Kelch, Herz; Kreuz: Oval; Heilig-Geist: Trapez; Bonhoeffer: Quadrat mit »Apsis«-Rund.
9.      Hier böte sich unter Umständen auch der Einsatz von Metallprägefolie an, um den Übergang in die Kirche bewusster als »Eintritt« zu gestalten.
10.  Vgl. Alexander Völker: Die Feier der Osternacht, Kassel 1983, S.33 und Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr, München 1988, S.118
11.  Ähnliche Stahlbetonpfeiler mit ebener Decke schafft Gerhard Langmaack zeitgleich auch für die St. Nikolaikirche in Kiel, dokumentiert in Gerhard Langmaack, Evangelischer 
       Kirchenbau im 19. und 20. Jahrhundert, Kassel 1971, S. 71
       Auffällig ist auch die Zahlensymbolik der die Christuskirche tragenden 12 Säulen. Das Ostfenster setzt sich, ebenfalls symbolträchtig, aus 7 Fensterelementen zusammen.
12.  Nach den bitteren Erfahrungen von Krieg und Verblendung in der 1938 gegründeten »Stadt des KdF-Wagens«, in deren unmittelbarer Nähe vor 1945 lediglich die 
      St.-Annen-Kirche (um 1250) und die St.-Marien-Kirche (ursprünglich 1434) existierten, lässt sich dies als Ausdruck der Sehnsucht nach klarer Orientierung verstehen. Vom 31. März 1940 datiert ein »Führerbefehl«, der neue Kirchen verbietet (vgl. Herbert Städke: Die Geschichte des Laagbergs. Von den Anfängen bis zur Einweihung der 
      Paulus-Kirche. In: 30 Jahre Paulus-Gemeinde Wolfsburg 1960–1990, ohne Seitenangabe). Demgegenüber zeigt eine vom Stadtarchiv Wolfsburg herausgegebene 
      Dokumentation (Dokumente zur Kirchenplanung in der Stadt des KdF-Wagens. Texte zur Geschichte Wolfsburgs, Bd.1, 1979), dass schon bei den vorbereitenden 
      Planungen »Bauten zur Versorgung der kirchlichen Bedürfnisse der Bevölkerung« vorgesehen waren (ebd. S. 3). Mommsen und Grieger vermuten, dass die 1940 verordnete
      Einstellung der Kirchenbauplanung aus wirtschaftspolitischen Gründen erfolgt ist (vgl. Hans Mommsen/Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im 
      Dritten Reich, Düsseldorf 1996, S. 279)
13.  Der Entwurf des Fensters stammt von Johanna Schütz-Wolff. Auch an der Fertigung des Fensters ist sie maßgeblich beteiligt (vgl. Katja Schneider: Johanna Schütz-Wolff. 
      Textil und Grafik zum 100. Geburtstag, Halle 1996, S. 10). Ursprünglich war das Fenster nicht farbig gefasst (vgl. dazu 50 Jahre Evangelisch-lutherische 
      Christus-Kirchengemeinde in Wolfsburg. Festschrift, 2001, S.3). In der Beschäftigung mit dem Werk der Künstlerin könnte ein Schwerpunkt einer intensiveren Beschäftigung 
      mit dem Kirchenraum oder eines gesonderten Zugangs über die Werke von Schütz-Wolff in der Christus- und der Pauluskirche liegen.
14.  Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Lahr und Kevelaer, 1998, S. 19
15.  Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Lahr und Kevelaer, 1998, S. 83 unten
16.  Hugo Schnell: Der Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in Deutschland, München und Zürich 1973, S. 81 Nr.69
17.  Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Lahr und Kevelaer, 1998, S. 28
18.  Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Lahr und Kevelaer, 1998, S. 82
19.  Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Lahr und Kevelaer, 1998, S. 83
20.  Tabellarisch sind die Konfirmandinnen und Konfirmanden unter der Überschrift »Kirchenbaukonzeptionen im Vergleich« eingeladen, ihre Eindrücke schriftlich zu fixieren:
     
Der Kirchen-Raum wirkt ...
      Der Architekt hat sich die Kirche vorgestellt als ...
      Gesamteindruck/Stichwort
      Die Gemeinde soll in dieser Kirche ...
      Raumschwerpunkt ist ...
      Welche Eigenart Gottes zeigt sich in dieser Kirche in besonderer Weise?
      Wirkt diese Kirche eher offen oder geschlossen?
      Kommst Du Dir eher groß oder klein vor in dieser Kirche?
      Welche Kleidung sollte in dieser Kirche getragen werden (Festlich, locker, von »früher«, modern, alltäglich ....)?
      Welche geometrische Form zeigt der Grundriss dieser Kirche?
      Sind die Wege in dieser Kirche kurz oder lang?
      Das Auffälligste ist ...
      Wohin fällt das Licht?
      Wozu lädt die Kirche ein?
21.  Rainer Volp: Gerhard Langmaacks Vision vom Hause Gottes. In: Olaf Bartels: Die Architekten Langmaack. Planen und Bauen in 75 Jahren. Schriftenreihe des Hamburgischen 
      Architekturarchivs, Hamburg 1998, S. 82
22.  Rainer Volp: Gerhard Langmaacks Vision vom Hause Gottes. In: Olaf Bartels: Die Architekten Langmaack. Planen und Bauen in 75 Jahren. Schriftenreihe des Hamburgischen 
      Architekturarchivs, Hamburg 1998, S. 83. Zum architektonischen Konzept vgl. Hans-Adelbert Karweik: Im Spannungsfeld von Licht, Höhe und Form. Zur Architektur der 
      Paulus-Kirche in Wolfsburg. In: 30 Jahre Paulus-Gemeinde Wolfsburg 1960–1990, ohne Seitenangabe. [Der Beitrag von Karweik bietet ausgezeichnete Hintergrundinformationen,
      die in kirchenpädagogischer Hinsicht von Nutzen sind!]

23.  Zeitgleich mit dem Pauluskirchenprojekt entsteht in Lübeck die Paul-Gerhardt-Kirche mit ähnlich herzförmigem Grundriss, dokumentiert in Gerhard Langmaack, 
      Evangelischer Kirchenbau im 19. und 20. Jahrhundert, Kassel 1971, S. 102. Jahrzehnte später (1996) findet sich dieser Ansatz erneut im Entwurf des »Forums« für das Ev. 
      Bildungszentrum Bad Bederkesa (vgl. Wolfgang Grünberg: Erleben – Verstehen – Gestalten. Dieter Langmaack als »Sinnenmensch«, Akademischer Lehrbeauftragter und 
      Architekt. In Olaf Bartels: Die Architekten Langmaack. Planen und Bauen in 75 Jahren. Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs, Hamburg 1998, S.75)

24. 
Vgl. zu diesem Ansatz Dieter Langmaack: Vom Höhlenerlebnis zur Arbeitsarchitektur: Beispiele für eine nutzerbetonte, sinnen-volle Planung. In: Organisationsentwicklung 
      3/92, S. 18–28 und Dieter Langmaack: Architektur als Erlebnis. In: Friedemann Green u.a.: Um der Hoffnung willen. Praktische Theologie mit Leidenschaft. Festschrift für 
      Wolfgang Grünberg zum 60. Geburtstag, Hamburg 2000, S. 78–83
25.  Textilarbeit von Johanna Schütz-Wolff im Format 7,80 x 5,25 m mit einem Motiv zu Offb.14, 14ff (vgl. Ein Geschenk der Stadt: Wandschmuck über dem Altar. 40 
      Quadratmeter großer Teppich – Schwieriges Webverfahren. In: 30 Jahre Paulus-Gemeinde Wolfsburg 1960–1990, ohne Seitenangabe), nach Katja Schneider der letzte 
      monumentale Bildteppich der Künstlerin (vgl. Katja Schneider: Johanna Schütz-Wolff. Textil und Grafik zum 100. Geburtstag, Halle 1996, S. 10. Hier lauten die Maßangaben 
      des Bildteppichs 7,65 x 5,30 m
).
26.  Leider konnten zum Zeitpunkt der Konfirmandenfahrt die Fragen nach der Textilarbeit mangels Informationen über die konzeptionellen Hintergründe möglicher 
      Zusammenhänge von »Altarbild« und Architektenentwurf nicht eingehender erörtert werden.
27.  Alle Glasarbeiten der Kirche von Emil Grassert, Lübeck geschaffen. Auch hier lohnte sich – wie bei Johanna Schütz-Wolff – eine intensivere Beschäftigung bzw. ein 
      eigenständiger Schwerpunkt. Tauffenster mit den Motiven »Arche Noah«, »3 Männer im Feuerofen« und »Fische« als Christus-Symbol gestaltet.
28.  1968 wird nach Entwurf der Architekten Langmaack die Friedenskirche in Flensburg-Weiche errichtet. Gerhard Langmaack schreibt dazu: »Der Innenraum der Kirche mit 
      seiner bewegten Spannung soll die Gemeinde sowohl ausrichten auf Altar, Kanzel, Taufe, als auch zusammenschließen«. In: Gerhard Langmaack, Evangelischer Kirchenbau 
      im 19. und 20. Jahrhundert, Kassel 1971, S. 127
29.  Auf dem Arbeitsblatt »Kirchenbau-Konzeptionen im Vergleich«
30.  Entwurf: Angela Gsaenger (Tochter des Architekten)
31.  Gustav Gsaenger: Die Kleinkirche als architektonische Aufgabe. In: Walther Heyer: Evangelische Kirchenbautagung Rummelsberg 1951, Berlin 1951, S. 138
32.  Gustav Gsaenger: Die Kleinkirche als architektonische Aufgabe. In: Walther Heyer: Evangelische Kirchenbautagung Rummelsberg 1951, Berlin 1951, S. 139
33.  Gustav Gsaenger: Die Kleinkirche als architektonische Aufgabe. In: Walther Heyer: Evangelische Kirchenbautagung Rummelsberg 1951, Berlin 1951, S. 140
34.  Cornelius Gurlitt hat den Begriff »gebaute Liturgie« 1906 eingeführt. Vgl. Horst Schwebel: Eine Scheu vor großen Gesten. Protestantischer Kirchenbau aus 
      theologisch-liturgischer Sicht. In: Wolfgang Jean Stock, Europäischer Kirchenbau 1950–2000, München 2002, S. 212
35.  In einem Brief der Tochter des Architekten, Angela Gsaenger, an den Verfasser vom 19.11.2001 heißt es: »Ich bin nicht überzeugt, dass der Architekt bei der Planung von 
      liturgischen und theologischen Konzeptionen ausgeht. Ausschlaggebend bei der Planung ist der Bauplatz, die Größe der Gemeinde und die vorhandenen Geldmittel. Ich 
      weiß nur bestimmt, dass mein Vater bei der Planung, wenn es möglich war, davon ausgegangen ist, dass die Kirche „geostet“ ist. Er hat nie die Mode (wenn ich es sagen darf) 
      mitgemacht, den Altar in die Mitte zu stellen und die Gemeinde drumherum zu platzieren.« Zu Gustav Gsaenger weiter vgl. auch Antina Gaenßler: Gustav Gsaenger 1900 –
      1989. In: Detail 3/1992, S. 224–230
36.  Das Thema Kirchturm wäre eine gesonderte kirchenpädagogische Beschäftigung wert! Vgl. dazu etwa Hartmut Rupp (Hg.): Handbuch der Kirchenpädagogik, Stuttgart 2006, 
      S. 48–53
37.   Vgl. zu diesem Ansatz Friedrich Bach u.a.: ArchiSkulptur. Dialoge zwischen Architektur und Plastik vom 18. Jahrhundert bis heute, Ostfildern 2005
38.   Holger Brülls: Alvar Aaltos Kirchen für Wolfsburg, Lindenberg 1999, S. 16 [Die Veröffentlichung von Brülls ist eine ausgezeichnete, v.a. auch kirchenpädagogisch brauchbare 
      Hinführung!]
39.  Vgl. dazu z.B. Stadt Wolfsburg/Institut für Museen und Stadtgeschichte (Klaus-Jörg Siegfried): Ich baue. Der Architekt Alvar Aalto in Wolfsburg, Wolfsburg und  
      Braunschweig 2000, S. 23; auch Dörte Kuhlmann (Hg.) befasst sich in ihrem Buch »Mensch und Natur. Alvar Aalto in Deutschland«, Weimar 1999, S.74–85 mit Aaltos 
      Intentionen beim Entwurf der Heilig-Geist-Kirche. Sie schreibt zu dem imaginär im Osten liegenden Fluchtpunkt der Kirche: »Erstens scheinen diese Strahlen besonders 
      streng in einem Punkt zusammenzulaufen, und zweitens liegt dieser Punkt bei den Kirchen immer außerhalb des Gebäudes. Wenn also die Kirche für die Gläubigen die Welt 
      abbildet, so ist der Punkt, in dem alle Strahlen sich treffen, außerhalb der repräsentierten Welt, an einem Nicht-Ort, der den Ursprung oder ein transzendentales Ziel 
      symbolisieren könnte.« ebd. S. 83
40.  So Markus Zink: Das beredte Schweigen des Raumes. In: Raum geben. Chance für den Evangelischen Kirchenraum. Hefte Nr. 12, Hg. Beratungsstelle für Gestaltung von 
      Gottesdiensten und dem Beauftragten für Kunst und Kirche der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Frankfurt 1999, S. 68
41.  Vgl. Frank Schneemelcher: Günter Grohs. Gestaltetes Glas, Werningerode 1998, S. 58–61
42.  Das Motiv des abfallenden Bodens auf die Prinzipalstücke und den »Altarraum« zu erinnert an die Bodendynamik in Le Corbusiers Kapelle von Ronchamp. Hier ließe sich
      dieser Umstand kirchenpädagogisch etwa im Sinne eines Zugangs zur Taufe (Rö.6, 3–4) nutzen.
43.  Vgl. dazu Markus Zink: Kreuz + quer. Gegenwartskunst für Kirchen, Marburg 1998, S. 123–127
44.  Ps.8, 5–6; Ps.139, 14; Jh.1, 14; Jh.19, 5c
45.  Ich kann mich an ein sehr divergentes Resümee erinnern. Es gab keine eindeutige »Favoritin«. Gründe für die gewählte Kirche wurden am Ende nicht genannt.
46.  Vgl. dazu Peter Zumthor: Atmosphären. Basel, 2006

  © Volker Dobers