Der Bildhauer Karl
Imfeld![]() |
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So stellt man sich die Holzfäller in den Wäldern Kanadas vor: Ausgerüstet mit Motorsäge, Helm und Ohrenschutz gegen den Lärm. Karl Imfeld, Jahrgang 1953, ist jedoch nicht in den Rocky Mountains tätig, sondern in den Schweizer Alpen. Er fällt auch keine Bäume, sondern bearbeitet Stämme. Mit der Motorsäge, aber auch mit Hebekran und Beil sowie mit Stemmeisen und Schnitzmesser schafft er aus Holz – mit Meißel auch aus Stein – vielbeachtete Kunstwerke. Aus einem Wettbewerb zwischen vier Bildhauern zur Gestaltung des neugeschaffenen liturgischen Zentrums der Lüchower St.-Johannis-Kirche ist er 1991/1992 als Sieger hervorgegangen.
Der Schweizer hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Inspirieren lässt er sich von der urwüchsigen Landschaft seines Geburts- und Wohnortes Lungern, 40 km südlich von Luzern gelegen. Und weil er sich bewusst als Christ versteht, spielen biblische Zusammenhänge für sein Schaffen eine zentrale Rolle. Obwohl der Bildhauer in der Bearbeitung seiner Materialien an die Grenzen dessen geht, was Holz, Stein oder Metall aushalten, entwickelt er die Form niemals gegen den Stein, den Stamm, sondern versteht ihn zu »lesen«, respektiert Individualität und Charakter.
Karl Imfelds gestalterischen Konzepte sind auf den Dialog mit dem gebauten Umfeld angelegt. Für das Lüchower Projekt hat der Bildhauer bewusst Formelemente der vorgefundenen Architektur aufgegriffen, sie jedoch in seinen Arbeiten zeitgenössisch interpretiert. In die ellipsenförmig angelegte Stufenanlage finden sich Taufe, »Tisch des Herrn«, Lesepult und Osterkreuz integriert. Das bronzene Taufbecken von 1417 ist mit einer neugestalteten Taufschale ausgestattet. Die Taufschale hat die Form eines gleichschenkligen Dreiecks, dessen Spitzen auf den Korpus des Taufbeckens stoßen, Hinweis auf die Trinität. Der das Taufschalendreieck umgebende Kreis steht für die Erde. Der »Tisch des Herrn« mit seinem mandelförmigen Tischblatt erinnert an die Mandorla des Altarretabels von 1866. Assoziationen wie Auge, Brotlaib oder Fisch stellen sich ein. Das Osterkreuz , nach oben hin offen gestaltet, erweckt den Eindruck von Hoffnung, Leben und Transparenz und wirkt zugleich wie eine Segensgeste. Es soll im Gegenüber zum stark vom Passionsgedanken geprägten Altarretabel von 1866 von der Oster- und Auferstehungshoffnung künden. Das Lesepult mit seiner augenfälligen, senkrechten Nut, die sich treppenförmig öffnet, nimmt formal – ähnlich wie die Steinsockel des Altartisches – die im Raum vorgefundene Abtreppung der Säulen oder auch die Giebelform im Westen der Kirche auf.
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