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Rundgang
durch die St.- Johannis-Kirche Hans-Jürgen Wolters |
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Die „ecclesia extra muros“ (Kirche
außerhalb der Mauern) in Lüchow ist Sankt Johannis dem Täufer geweiht.
Durchgreifende Erneuerungen an der Kirche haben zwar vieles verändert. Die
Bronzetaufe aus dem Jahre 1417 aber hat diese Erneuerungen überdauert. Die Taufe
Die Bronzetaufe ist das älteste
liturgische Ausstattungsstück der Kirche. Ein runder Grundsockel wird durch
drei gleiche Trägerfiguren mit der großen Taufschüssel verbunden. Folgende Einzelheiten weist dieses älteste Inventarstück
auf: die alte Inschrift lautet: „helf got ut aller not“ („Helfe Gott aus
aller Not!“). Unter dieser Inschrift befindet sich das Datum: anno domini
1417. Mehrere gleiche Figuren sind darunter rund um die Bronzetaufe platziert.
Einzelheiten sind kaum zu erkennen. Einige der Figuren scheinen Mütter zu sein,
die ihr Kind auf dem Arm tragen. Drei besondere Darstellungen aus der Geschichte
Jesu unterbrechen diese Figuren. Der Kruzifixus (gekreuzigte Christus) erinnert
an den Grund des Glaubens: „So hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen
einzigen Sohn gab“ (Joh. 3,16). Die Darstellung der Weihnachtsgeschichte - das
Kind, Maria und Josef - erinnert an die Menschwerdung Gottes. Und die
Darstellung Jesu als des Weltenrichters soll die Getauften gewiß sein lassen,
dass kein anderer als ihr Herr Richter ihres Lebens
ist. Der Altar Altar, Kanzel, Schalldeckel und Gestühl der Emporen stammen aus dem Jahre 1866. Der Altar beeindruckt durch eine Konzentration auf einen Gedanken des evangelischen Abendmahlsverständnisses. Vier Gestalten des Alten Testaments umrahmen die Mitte: das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt (vgl. Joh. 1,29). Diese bildlichen Darstellungen - links oben Abel, links unten Melchisedek, rechts oben Isaak, rechts unten Aaron - wollen auf den Zusammenhang hinweisen, in dem das Opfer Christi zu sehen ist. Abels Opfer ist als Vorbild der Opferung Christi zu verstehen und wurde wie Abrahams Opfer in der christlichen Kunst in der Nähe des christlich zu deutenden Altars gesehen. Klicken Sie den
Namen der Figur an - Sie erhalten Detailinformationen Aaron, der Bruder des Mose, ist der
erste von Gott bestimmte Hohepriester des alten Bundes (2.Buch Mose, 4-40; 3.
Buch Mose, 8-10; 4.Buch Mose, 3-20). Als Priester des alten Bundes mit
Räucherfass
wird er ebenso dargestellt wie mit dem Manna. Vom Manna als wunderbare
Speisegabe Gottes ernährten sich die Israeliten, bis sie nach 40 Jahren das
Land Kanaan erreicht hatten. Jesus selbst hat in seiner Predigt nach der
wunderbaren Brot- und Fischvermehrung (Joh. 6,1-15.48ff.) dem Manna des alten
Bundes das Brot des Lebens gegenübergestellt. Deshalb erscheint das Manna
manchmal auch im Zusammenhang des Abendmahls. Isaak, Sohn Abrahams, ist einer der Stammväter Israels. Er soll von Abraham auf Gottes Geheiß geopfert werden. (1.Buch Mose, 22). Die Gehorsamsprüfung endet mit dem Eingreifen Gottes und dem Leben des Isaak. Isaak trägt das Feuerholz für das Brandopfer selbst. Die Christenheit sieht es als Vorbild des Kreuztragens Christi an: Wie Isaak das Opferholz, so trägt Christus sein Kreuz selbst nach Golgatha. Melchisedek ist
im Alten Testament König und Priester zugleich. Als alttestamentlicher
Patriarch wird er mit Weinkelch und Brot dargestellt, die er emporhebt. Die
Gestalt des Melchisedek begegnet uns in der Geschichte des Erzvaters Abraham
(1.Buch Mose,14). Abraham wird von Melchisedek empfangen. Dieser bringt ihm Brot
und Wein und segnet ihn. Das Lamm1 bildet die Mitte der Altardarstellungen. Dass das Lamm Bild für den einzigartigen Opfergang Jesu ans Kreuz wird, ist aus der Geschichte des jüdischen Passafestes zu erklären. Kurz vor dem Auszug aus Ägypten (2.Buch Mose,12) wird Mose von Gott damit beauftragt, für jede Familie aus der Gemeinde Israels die Opferung eines Lammes vorzubereiten. Das Blut soll an die Türpfosten der Häuser gestrichen werden und ein Schutzzeichen sein, wenn Gott in der Nacht alle Erstgeburt in Ägypten tötet. Dieser Tag soll fortan ein Gedenktag sein, ein Fest für Gott (Passafest mit der Opferung des Lammes). Die daran anknüpfende Vorstellung von Christus als dem Opferlamm Gottes (lateinisch: agnus dei) stammt von Johannes dem Täufer, der, als er Christus auf sich zukommen sieht, sagt: „Sieh das ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Joh.1,29). Entscheidend dafür, dass das Lamm als Sinnbild Christi zu einem Lieblingsmotiv der christlichen Kunst wurde, ist die Apokalypse des Johannes. Der Seher sieht an Gottes Thron ein „Lamm stehen, wie geschlachtet, es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt auf die ganze Erde“ (Offb.5,6). Kurz zuvor ist im selben 5. Kapitel davon die Rede, dass das Lamm auf einem Thron sitzt, und von einem Buch mit sieben Siegeln (Offenb.5,1). Häufig wird das siegreiche Gotteslamm mit Kreuzstab und Kreuzfahne dargestellt. Die Darstellung des Gekreuzigten ist
eingefasst in eine mandelförmige Glorie, die Mandorla. Eine scheibenförmige
Glorie (Nimbus) ist hinter dem Kopf des Gekreuzigten zu sehen. Der Hintergrund
ist in Gold gehalten. Mond und Sterne, auch Engelgestalten sind zu sehen. Gold
hat seine Bedeutung als Symbol der Himmelssphäre, als Symbol göttlichen
Lichtes. Dem Betrachter soll vermittelt werden: Der Gekreuzigte ist nicht der
Gescheiterte, sondern der Sohn Gottes, der das Heilswerk der Erlösung und Versöhnung
vollbracht hat und an der Seite Gottes ist. Links und rechts zu Füßen des
Gekreuzigten findet sich der biblische Beleg: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das
der Welt Sünde trägt“ (Joh.1,29). An den vier Kreuzesenden finden sich die
Symbole der vier Evangelisten (Engel, Stier, Adler, Löwe). Die besonderen
Zeichen des christlichen Abendmahls befindet sich links und rechts an der
unteren Hälfte des Altars: Kelch und Oblate mit Kreuzzeichen. Darüber
hinaus findet sich eine Reihe von trinitarischen Symbolen, etwa drei ineinander
verschlungene Ringe - zweimal - und Dreieinigkeitskreise - viermal. Die rechte
Hand des Gekreuzigten hält Zeigefinder und Mittelfinger ausgestreckt. Dies ist
ein Hinweis auf die sogenannten zwei Naturen Christi. Er ist Gott und
Mensch zugleich. Die Kanzel
Der Schalldeckel. Der Schalldeckel über der Kanzel
weist kaum biblische Darstellungen auf. Nur der Heilige Geist wird in Gestalt
einer Taube dargestellt, in Form eines Kreuzes mit dem Nimbus des Gekreuzigten.
Für die Predigt von dieser Kanzel soll konkret gelten: Der Heilige Geist ist
Geist des Gekreuzigten und Auferstandenen.
Die Glasfenster Die Glasfenster im Chorraum der
Kirche sind bis auf das mittlere (1967) in den Jahren 1898 bis 1938
gefertigt. Die vier Fenster mit den biblischen Darstellungen stammen aus der
Werkstatt der Firma Kuball, einer ursprünglich in Lüchow ansässigen Firma,
die in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Hamburg wechselte. Die Glasfenster nehmen biblische Geschichten und Gestalten auf. Links die Stillung des Sturmes (Lk.8,22-25) aus dem Jahre 1938, das jüngste Glasfenster3, gestiftet von dem Ehepaar Sandhagen. Daneben die Geschichte von den Emmaus-Jüngern (Lk. 24,13-35), gestiftet von der Pottschen Stiftung aus dem Jahre 1912. Rechts vom Altar die Auferweckung des Jünglings zu Nain (Lk.7,11-17), 1898, gestiftet von Friedrich Wilhelm Christoph Kuball und Frau, geb. Holle. Daneben ein Glasfenster aus dem Jahre 1928 von der Propst-Busch- Stiftung: Christus reicht die Krone des Lebens (Offb.2,10) einem Soldaten. Wilhelm Eggers, (gestorben 1996), Lüchower Altkirchenvorsteher aus Künsche, erinnert sich:“Propst Busch hatte einen Sohn, der Theologie studieren wollte und der im Ersten Weltkrieg fiel. Dass er seinen Sohn opfern musste, hat Propst Busch bitter Leid getan. - Als er dann ein Dienstjubiläum hatte, da hat ihm die Gemeinde dann ein Kirchenfenster geschenkt: „Sei getreu bis in den Tod!“ In diesem Fenster ist die Ansicht der Stadt Lüchow mit Glockenturm und Amtsturm zu erkennen, ganz rechts die alte Propstei. Ein Teil eines älteren Kirchenfensters ist erhalten geblieben und hat gegenwärtig einen Platz auf der Südseite der Kirche inmitten eines Kirchenfensters gefunden. Dargestellt sind drei Apostel Petrus, Johannes und Jakobus. Besonders gut zu erkennen ist die Gestalt des Petrus mit dem Schlüssel. Kron- und Altarleuchter Die Kron- und Altarleuchter sind aus Messing. Die Kronleuchter sind jeweils ohne Inschrift. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Form der Kerzenhalter und Kerzenteller und den oberen Abschluss mit doppeltem Adlerkopf beziehungsweise einer Reiterfigur. Der westliche Kronleuchter (ca. 1500) aus der Renaissancezeit ist im Lübecker Stil gefertigt, der östliche Leuchter, ca. 100 Jahr jünger (Barockzeit) ist im norddeutschen-niederländischen Stil gehalten. Anmerkungen:
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